Teratologie (Schädigungen von Embryo und Foetus)

Die embryonale/fetale-maternale Einheit reagiert sehr vulnerabel auf exogene Einflüsse

Das Risiko für angeborene, im Mutterleib während der Schwangerschaft erworbene Schädigungen liegt in der Normalbevölkerung (ohne zusätzliche Medikamente oder andere Noxen) bei 4%.

Bei gewissen Substanzen/Medikamenten, aber auch Krankheiten (ohne medikamentöse Behandlung) ist dieses Risiko leicht bis massiv erhöht. Dabei kann je nach Substanz verschieden nur eine bestimmte Zeit in der Schwangerschaft oder aber die ganze Schwangerschaft d.h. sowohl die Embryonal- als auch die Fetalzeit vulnerabel sein. Das Ausmass der Schädigungen körperlicher und besonders geistiger Natur tritt oftmals erst im Laufe der postnatalen Entwicklung z.T. über Jahre in Erscheinung. Etwaige Schädigungen bis 14 Tage nach der Konzeption unterliegen dem Alles- oder Nichts Gesetz, d.h. bei Fortbestehen der Schwangerschaft weist die Frucht aus jener Zeit keine Schädigungen auf.

Zu den Substanzen /-gruppen mit einem erhöhten Risiko für eine intrauterine Fruchtschädigung (Teratogenität) gehören (unabhängig vom Ausmass betrachtet):

ACE Hemmer

Aethanol

Antidepressiva (v.a. Paroxetin u.a.)

Benzodiazepine (kardiale Schäden liegen leicht über 4% je nach Untersuchungstool; das Ausmass der Entwicklungsstörungen ist unbekannt)

Chinolon Antibiotika

Chloramphenicol (antepartum)

Cumarinderivate

Drogen: Tabakrauchen, Cannabis, Cocain, Heroin

Epilepsiemedikamente (Valproat u.a.)

Folsäureantagonisten (Methothrexat und Sulfonamide)

Jodsalze

Mutterkornalkaloide

Opioide (neuste Daten zu Tramadol im 1. Trim.)

Prostaglandinsynthesehemmer: Paracetamol NUR in sehr langzeitiger Anwendung (wochenlang), kurz kein Problem; NSAR exkl. Paracetamol sollen ab der 20. SSW wegen des vorzeitigen Verschlusses des D. arteriosus Botalli NICHT angewendet werden.

Sexualhormone

Tetracycline

Thalidomid

Vit. A in hohen Dosen (> 5000 IE/Tag)

Vitamin A Säure Derivate

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. 

 

Spezifische Angaben zum Ausmass der Schädigungen und zum empfindlichen Gestationsalter finden Sie in den entsprechenden SAPP Wirkstoffmonographien oder Therapieempfehlungen.

Ein Nutzen/Risiko ist mit der Frau wenn möglich vor einer Schwangerschaft eingehend zu analysieren.

Speziell bei schweren vorbestehenden und therapiebedürftigen Erkrankungen (wie z.B. Epilepsie) sind die Frauen vor und während einer Schwangerschaft intensiv und interdisziplinär zu betreuen.

Terato- und Pharmakovigilanmeldungen finden Sie in einem separaten Kapitel unter „Indikationen/Themen“.